Hey,
mein Name ist Klara, und meine Ausreise in die USA ist tatsächlich schon knapp zehn Jahre her. Und doch weiß ich noch genau, wie ich damals ein fünftes Mal überprüft habe, ob mein Reisepass an Ort und Stelle ist, und wie ich mich ein siebtes Mal umgedreht habe, um meine Familie ganz kurz vor dem Security-Check doch noch „ein letztes Mal“ zu sehen.
Ich glaube, man kann gar nicht in Worte fassen, welche hundert Gedanken in meinem 15-jährigen Ich herumgeschwirrt sind. Ich weiß aber, dass neben all den Sorgen, Ängsten und Herausforderungen besonders ein Gefühl ganz viel Platz eingenommen hat – Vorfreude! Und diese Vorfreude war mehr als berechtigt.
Angekommen in Evansville im Bundesstaat Indiana wurde ich von meinen Gasteltern Sam und Greg, meinen Gastgeschwistern Kenna und Kade sowie meinem Double Placement Maria (aus Italien) herzlich begrüßt. Meine ganzen Überlegungen, wie ich sie jetzt genau begrüßen soll, waren in der Sekunde hinfällig, in der ich sie gesehen habe. Aufgrund ihrer aufgeschlossenen Art konnte ich nicht anders, als alle direkt zu umarmen und ihnen zu sagen, wie dankbar ich bin, dass sie mich ausgewählt haben.
Die Autofahrt zu meinem neuen Zuhause in Illinois verbrachte ich trotz enormer Müdigkeit damit, ganz viel zu reden. Ich habe mich vorher so oft gefragt, ob meine Englischkenntnisse ausreichen würden und ob ich mich überhaupt trauen würde, mit ihnen zu reden. Aus Erfahrung kann ich jetzt sagen: Diese Ängste sind normal. Vielleicht klappt es nicht sofort, aber ein bisschen reden und ganz viel lächeln ist auf jeden Fall immer ein guter Anfang.
Meine Anfangszeit in Wayne City in Illinois war geprägt von vielen typischen amerikanischen „Firsts“: mein erster Schultag an einer amerikanischen Highschool, mein erstes Volleyball-„Practice“, mein erstes Barbecue, mein erstes Mal „S’mores“ am Lagerfeuer und mein erster Roadtrip mit meiner Gastfamilie.
Neben all den schönen Dingen, die ein Auslandsjahr so mit sich bringt, ist es aber auch rückblickend absolut in Ordnung, dass mich manche Situationen gestresst oder in mir Angst ausgelöst haben. So habe ich mir am ersten Schultag von zehn verschiedenen Schülerinnen und Schülern erklären lassen, wie mein Schließfach aufgeht – nicht, weil ich es beim ersten Mal nicht verstanden habe, sondern weil die Angst zu groß war, keinen Anschluss zu finden. Unsicherheiten gab es auch in anderen Bereichen: neue Sportarten, Unterricht auf Englisch oder einfach die Gewohnheiten meiner Gastfamilie. Generell lässt sich sagen, dass diese Sorgen durch Nachfragen und offene Kommunikation schnell überwindbar waren.
So entwickelten sich Fremde zu Freunden, die englische Sprache verwandelte sich in die Sprache, auf der ich träumte, und aus den Gewohnheiten meiner Gastfamilie entstanden „Marmeladenglas-Momente“. Von Letzteren gab es so einige. Dazu zählen selbstverständlich die Reisen, die ich mit meiner Gastfamilie zum Beispiel nach Florida gemacht habe, oder auch der Schultanz „Prom“, der am Ende meines Auslandsjahres stattfand. Dennoch erinnere ich mich zehn Jahre später vor allem an die Wärme, die meine Gastfamilie ausgestrahlt hat, an die Insider-Witze, die ich irgendwann mit allen hatte, und daran, wie leicht ich mich trotz der nervenaufreibenden Momente das gesamte Jahr über gefühlt habe. Dieses Gefühl von Leichtigkeit kam auch dann immer wieder zurück, wenn ich den ersten Schritt aus dem Flugzeug machte und wusste, dass ich gleich meine zweite Familie wiedersehen darf.
Mir ist bewusst, wie kitschig all das klingen mag, aber das Jahr hat mich in so jungem Alter bereits sehr geprägt. Und das habe ich bis heute gespürt… Nicht zuletzt, weil mein Drang zu reisen und neue Menschen kennenzulernen, bis jetzt ungebrochen ist. Gleichzeitig erinnere ich mich noch heute daran, wie mutig ich damals mit 14 Jahren war, als ich mich bei TASTE beworben habe; besonders dann, wenn ich heute vor Entscheidungen stehe oder mich etwas nicht traue. Denn dann sage ich mir immer: Wenn ich mich das damals getraut habe, schaffe ich das jetzt auch.
Dementsprechend ist das Wichtigste, was ich sowohl als Returnee als auch jetzt als Mitarbeiterin bei TASTE the world! immer als Tipp gebe: Seid mutig und habt Vertrauen; es wird schon so kommen, wie es kommen soll.