Diese Frage wurde mir oft gestellt, als ich erzählt habe, dass ich mein Auslandsjahr – nicht wie viele andere – in Kanada oder den USA, sondern in Italien verbringen will. Schon vorab: Ich würde mich immer wieder so entscheiden! Seit zwei Monaten bin ich jetzt in Treviso und ich habe schon unglaublich viel erlebt, dazugelernt und Erfahrungen gesammelt. Meine Gastfamilie ist supertoll und hat mich direkt herzlich aufgenommen. Alle sind hier sehr lieb, offen und extrem hilfsbereit. Gleich an meinem zweiten Wochenende haben wir einen Ausflug nach Venedig gemacht; mit dem Zug brauchen wir dorthin nur etwa 30 Minuten. Es war mein erster Besuch in Venedig und der Aufenthalt dort hat mir sehr viel Spaß gemacht. Am Wochenende machen wir ab und zu Ausflüge, aber nicht immer, weil wir samstags Schule haben. In anderen Teilen von Italien hat man auch zwei Tage frei. Samstagabends machen wir immer einen Film-Abend mit Pizza von der Lieblings-Pizzeria meiner Gastfamilie. An den anderen Tagen gehe ich mit Freundinnen in die Stadt, backe etwas Leckeres oder mache Hausaufgaben.
Mein Alltag war am Anfang ziemlich ungewohnt, aber mittlerweile kommt mir alles schon völlig normal vor! Montags bis samstags habe ich Schule, immer von 8 Uhr bis 12:55 Uhr. Nach der Schule fahre ich mit dem Fahrrad in 15 Minuten nach Hause. Dort koche ich dann mit meinen Gastschwestern Nudeln und ich habe schnell gemerkt: Italiener essen wirklich jeden Tag Nudeln. Immer mit unterschiedlichen, leckeren Soßen, so dass es nie langweilig wird. Nach der Schule machen alle Hausaufgaben oder lernen, weil man hier viele Tests schreibt. Da ich ein halbes Jahr hier bin, werde ich nur in 4 Fächern benotet und muss mich nur auf diese Tests vorbereiten. Nachmittags nehme ich an zwei Tagen in der Woche an einem Italienischkurs teil, der von meiner Schule für alle Austauschschüler organisiert wird. Hier lernt man also auch nochmal andere Nationalitäten und Kulturen kennen.
Fußballtraining habe ich an drei Tagen mit meiner Gastschwester zusammen. Ein Hobby zu haben hat mir vor allem am Anfang geholfen, mich etwas abzulenken, als ich noch nicht so viele Freunde hatte. Abends essen wir alle zusammen, meistens gegen 20:30 Uhr.
An die Schule gewöhnt man sich schnell, so wie auch an alles andere. Eine Schulstunde dauert hier 55 Minuten. Wir haben immer zwei Mal 55 Minuten Unterricht und dann 10 Minuten Pause, dann wieder zwei Mal 55 Minuten, noch einmal 10 Minuten Pause und zum letzten Mal 55 Minuten. Dann ist Schluss und wir können nach Hause gehen. Dadurch, dass ich Spaß mit meinen Freunden habe, früher Schulschluss habe als in Deutschland und die einzelnen Stunden kürzer sind, geht der Schultag immer schnell vorbei und macht Spaß. Der Unterricht war am Anfang ziemlich ungewohnt, weil der Lehrer viel vorne steht und erklärt. Er macht nicht so viel interaktiv mit der Klasse. Deshalb ist es aber fast immer leise in der Klasse und sehr angenehm. Am Anfang ist es schwer, die Lehrer zu verstehen, doch meine Sitznachbarn haben für mich übersetzt. Was mir außerdem beim Lernen weiterhilft, sind Lernvideos. Das, was ich nicht verstanden habe, gucke ich mir dann zu Hause noch einmal an. Viele meiner Freunde aus der Schule lernen nachmittags oder wohnen etwas weiter weg, so dass es etwas schwierig ist, sich unter der Woche zu verabreden. Das holen wir dafür am Wochenende nach!
Mit der Sprache wird es nach einiger Zeit immer einfacher. Am Anfang versteht man wenig, dann etwas mehr und irgendwann fast alles. Mir fiel das Sprechen etwas schwerer, aber man muss es einfach immer wieder probieren und dann klappt es. Am Ende freuen sich sowieso alle darüber, dass man es überhaupt probiert. Außerdem können hier so gut wie alle Englisch, deshalb muss man sich gar keine Gedanken machen, keinen Anschluss zu finden. Das ging bin mir jedenfalls sehr schnell.
Ich habe schon so unglaublich viele Sachen erlebt, dass ich gar nicht sagen kann, was mir am Allermeisten gefallen hat. Ganz besonders toll ist es, wenn man sich immer besser mit seiner Gastfamilie versteht, die Sprache immer besser beherrscht und in den Alltag reinkommt. Mit dazu gehört auf jeden Fall auch, wenn man sich das erste Mal so richtig mit seinen Freunden verabredet und immer mehr Unterhaltungen auf Italienisch führen kann.
Wieso Italien aus meiner Sicht das perfekte Land für ein Auslandsjahr ist, hat viele Gründe. Der erste ist auf alle Fälle die Sprache. Mir gefällt die italienische Sprache einfach sehr. Die Nähe zu Deutschland finde ich auch sehr praktisch, weil ich jetzt schon darüber nachdenke, wann ich meine italienischen Freundinnen wiedersehen kann. Ich werde sie echt vermissen, wenn ich zurück in Deutschland bin. Da die Entfernung zwischen Deutschland und Italien nicht so groß ist, können wir uns problemlos wiedertreffen. Außerdem sind alle hier sehr nett und nehmen Rücksicht darauf, wenn man noch nicht perfekt sprechen kann, mal etwas auf Englisch sagen muss oder eine Pause braucht, um sich auszuruhen. Darüber hinaus ist natürlich auch das Wetter ganz anders als in Deutschland. Treviso liegt zwischen den Bergen im Norden und Venedig im Süden, deshalb ist es hier im Winter oft nebelig und im Frühling regnerisch.
Unterm Strich: Italien ist ein perfektes Ziel und ich empfehle es jedem weiter! Aufgrund meiner bisherigen Erfahrungen kann ich sagen: Ich würde immer wieder nach Italien gehen!